Thomas Mark Németh:

JOSEF VON ZHISHMAN (1820–1894)
und die Orthodoxie in der Donaumonarchie

Das Buch würdigt erstmals umfassend die bislang kaum bekannte
Bedeutung des Wiener Ostkirchenrechtlers Josef Ritter von Zhishman
(1820–1894) für die Orthodoxie in der Habsburgermonarchie.

Josef von Zhishman fand in der historischen Literatur bisher fast
ausschließlich als Lehrer von Kronprinz Rudolf Erwähnung. Weithin
unbekannt war hingegen, dass der gebürtige Laibacher seit den 1860er
Jahren vom Wiener Ministerium für Kultus und Unterricht als faktisch
einziger Experte für Rechtsfragen der Orthodoxen Kirche in der
Donaumonarchie herangezogen wurde. Eine rumänische Zeitung bezeichnete
ihn deshalb einmal spöttisch als „Orakel“ des Ministeriums. Zhishman
etablierte außerdem Erforschung und Lehre des Ostkirchenrechts an der
Wiener Juristenfakultät, seine Monographien zählen noch heute zu den
einschlägigen Standardwerken.

Die vorliegende Arbeit, die sich auf Zhishmans umfangreichen Nachlass
und zahlreiche Archivalien, insbesondere aus dem Österreichischen
Staatsarchiv, stützt, ordnet die zahlreichen Gutachten in den Komplex
der Organisationsfragen der Orthodoxie in der Habsburgermonarchie ein.
Zu den von Zhishman behandelten Fragen gehörten zum Beispiel die
Errichtung der Eparchie Cattaro (heute Kotor/Montenegro) und die
Gründung der Metropolie der Bukowina und von Dalmatien.

Besonders eng war sein Wirken mit Czernowitz und der Orthodoxen
Theologischen Fakultät der 1875 dort errichteten Universität
verbunden: Zum einen bereitete Zhishman Vertreter der ersten
Professorengeneration auf ihre wissenschaftliche Tätigkeit vor, zum
anderen spielte er bei der Einrichtung der Fakultät eine maßgebliche
Rolle und war mit der Lösung zahlreicher Rechtsfragen beauftragt. Der
Status der „autonomen“ orthodoxen Kirchengemeinden in Cisleithanien
blieb hingegen ein bis zum Ende der Monarchie weitgehend ungelöstes
Problem. Darüber hinaus beschäftigte sich Zhishman mehrfach mit der
Orthodoxie in Bosnien und in Herzegowina.

Zhishmans Arbeiten berühren auch fast 120 Jahre nach seinem Tod in
Schönbrunn viele aktuelle Probleme und Fragestellungen des orthodoxen
Kirchenrechts, wie etwa die Frage nach der Teilnahme der Laien an der
Kirchenverwaltung. Eine Edition besonders wichtiger Gutachten
Zhishmans ist angedacht.

Bibliographische Angaben:
Thomas Mark Németh, Josef von Zhishman (1820–1894) und die Orthodoxie
in der Donaumonarchie (Kirche und Recht 27), Freistadt: Plöchl 2012,
402 Seiten, 9 Abbildungen, € 49,80. ISBN 978-3-901479-78-6 ISSN
0259-0735 (Kirche und Recht)

Zu bestellen beim:
Institut für Rechtsphilosophie, Religions- und Kulturrecht
Rechtswissenschaftliche Fakultät der Universität Wien
Schenkenstraße 8-10, 1010 Wien, Tel. 0043-1-4277-35814, Fax. 0043-1-4277-35899
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